Anfang 2020 liefen die Vorbereitungen für Môtiers «Kunst im Freien» auf Hochtouren. Die Künstler wurden ausgewählt, Projekte flossen ein und das Dorf bereitete sich darauf vor, Tausende von Besuchern zu empfangen. Doch Mitte März zwang die Covid-19-Pandemie das Team dazu, die Veranstaltung auf 2021 zu verschieben.
Die neue Herausforderung bestand darin, eine Ausstellung im Freien zu organisieren, die an die gesundheitlichen Einschränkungen angepasst war. Das Team mobilisierte sich, die Künstler blieben trotz der Ungewissheit und der neuen Einschränkungen engagiert: Grenzkontrollen, Quarantäne, verkürzte Aufenthalte. Die Aufbauzeit wurde verlängert, der Empfang komfortabler gestaltet.
In einer intensiven, aber fröhlichen Atmosphäre knüpfen Künstler und lokale Handwerker wertvolle Kontakte. In Môtiers 2021, das vom Kontext der Pandemie geprägt ist, entstehen Werke, die an Isolation, Flucht oder das Bedürfnis nach Verbindung erinnern. Die Künstler, die zu lange ohne Kontakt waren, bieten kraftvolle, monumentale Kreationen an, die zum Austausch aufrufen.
Eine besondere Ausgabe, zerbrechlich und stark, ein Spiegelbild ihrer Zeit.
Roman Signer, den wir um das Plakat für Môtiers 2020 – das zu Môtiers 2021 wurde – gebeten haben, bricht mit der Tradition eines gezeichneten Plakats und schlägt uns eine Fotografie vor.
Eine einfache Holzhütte, über die eine mächtige Wasserwelle hereinbricht, ein Wald im Hintergrund, Wasser, Sand – das ist eine Umgebung, die an Môtiers denken lassen könnte.
Aber nein, es handelt sich um eine Aktion von Signer, einem Künstler, der gerne mit Wasser, Feuer, Detonationen, Explosionen und allem, was uns in unserer Ruhe stören kann, spielt. So wie 2007, als er in Môtiers ein riesiges blaues Kreuz errichtete – eine Provokation im Land der Grünen Fee – oder 2011, als er eine öffentliche Sitzbank zertrümmerte, die ihm nichts getan hatte…
Hier schwebt die Bedrohung über einer unbestimmten Landschaft, die auf den ersten Blick ruhig ist, aber durch diesen grossen weissen Fleck gestört wird, der fällt – oder der sich erhebt? Bei Roman ist man sich nie ganz sicher.