Seit 1985 vermischten die Ausstellungen in Môtiers Kunst und Natur. Die Werke, oft aus Holz, Stein oder Metall, traten in einen Dialog mit der Landschaft – Wasserfall, Fluss, Wald -, blieben aber Skulpturen aus dem Atelier.
In den Jahren 1989 und 1995 begannen die Künstler, sich für die lokale Geschichte zu interessieren: Absinth, Rousseau, die Uhrmacherei. Dennoch stammt die Mehrheit der Werke immer noch aus den Werkstätten.
Im Jahr 2003 ist Schluss mit dem Wort „Skulptur“, stattdessen heisst es „Art en plein air“. Diese Ausgabe markiert einen klaren Wandel. Die Künstler begnügen sich nicht mehr damit, auszustellen: Sie hinterfragen den Ort, seine Bewohner, seine Vergangenheit, seine Verbindung zur Welt.
Der Ansatz wird fast ethnografisch, konzeptueller und ähnelt den zeitgenössischen Vorschlägen der Documenta oder der Biennale von Venedig.
Die Werke entstehen vor Ort, oft in direkter Verbindung mit den Bewohnern, ihren Gärten, ihren Schaufenstern. Die Kunst wird partizipativ, manchmal verstörend, aber vor allem lebendig. Môtiers wird zu einem echten künstlerischen Laboratorium, das der Welt gegenüber offen ist.
Wir vertrauen die Gestaltung des Plakats John Armleder und Olivier Mosset an, zwei enge Freunde, bedeutende Figuren der zeitgenössischen Kunst, die bereits zweimal in Môtiers waren.
Jeder schlägt seine Idee vor: Armleder wünscht sich ein Satellitenfoto des Dorfes, Mosset möchte die Schrift von Rousseau verwenden.
Kurze Erinnerung: Rousseau lebte von 1762 bis 1765 in Môtiers, als er nach der Verurteilung von L’Émile und Le Contrat social ins Exil ging.
Das Plakat spiegelt dann die für unsere Ausstellungen typische Mischung wider: einen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst (das Satellitenfoto) und historischem Erbe (das 18. Jahrhundert Rousseaus).
Jonathan Delachaux wurde mit der Konkretisierung dieses Projekts beauftragt: Er musste die Schriftzeichen in Rousseaus Manuskripten finden, eine Luftaufnahme des Dorfes auswählen und ein Plakat zusammenstellen, das sowohl ausgewogen als auch faszinierend ist.