Am 22. Juni 1985 eröffneten wir unsere erste Ausstellung, damals noch Schweizer Skulpturenausstellung Môtiers 85 genannt, mit sechzig Künstlern. Die meisten hatten ein bereits realisiertes Werk ausgewählt, nur wenige hatten es vor Ort geschaffen. Viele Transporte… und Betonsockel.
Dreißig Jahre später, am 20. Juni 2015, versammelte die siebte Ausgabe zweiundsechzig Künstler. Diesmal wurden die meisten Werke vor Ort entworfen, in enger Verbindung mit der Umgebung: Holz aus den nahegelegenen Wäldern, Unterkünfte, Zufluchtsorte, Experimente, erfundene Geschichten und Legenden.
Die Bewohner sind den Künstlern treu ergeben und empfangen sie mit Neugier, Offenheit und Geduld für das Hin- und Herfahren der Maschinen, die für die Installation benötigt werden.
Das einst verkannte Dorf Môtiers zieht heute ein treues Publikum aus allen Himmelsrichtungen an. Und die Magie der Entdeckung, die 1985 vorhanden war, wirkt auch heute noch – und hoffentlich noch lange.
Für die Ausgabe 2015 haben wir Daniel Spoerri gebeten das Plakat zu gestalten. Der Künstler ist eines der letzten heiligen Monster der Kunst des 20. Jahrhunderts, Mitglied der Nouveaux Réalistes, steht Fluxus, der Panikbewegung und dem Collège de Pataphysique nahe. Er stellte 1989 und 1995 in Môtiers aus.
Er bietet uns zwei Entwürfe für ein Poster an. Als Antwort auf unseren begeisterten Dank schreibt er uns: „Schön, dass Ihnen meine Kritzeleien gefallen. Salute.“
Das ausgewählte, gescannte und reproduzierte Plakat zeigten wir dem Künstler in seinem aussergewöhnlichen Giardino, einem achtzehn Hektar grossen Skulpturenpark in Seggiano in der Toskana.
Spoerri schaut sich die Skulptur kurz an und sagt dann: «Gehen Sie in den Park, ich werde ein bisschen grün machen; das ist doch eine Ausstellung in der Natur?»
Wir treffen uns zum Essen und er bringt uns das Plakat, das mit einem Buntstift grün hervorgehoben wurde. «Das ist besser!» sagt er, und das stimmt.